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Geschichten von Inseln und Meer

Magellans Schiffe vor Marinduque

von Inseln und Meer... Posted on 26 Apr, 2016 13:41

Wenn Du bei den letzten Geschichten aufgepasst hast, weisst Du: Magellan kam nicht nach Marinduque. Marinduque? Genau: Die herzförmige Insel, die nach den Verliebten Marinja und Garduque benannt ist.

Magellans Schiffe erreichten im Jahr 1521 die philippinischen Inseln Homonhon und Limasawa, anschliessend Cebu und Mactan – wo Magellan im Kampf gegen Laou-Lapu ums Leben kam – und anschliessend noch Palawan. Marinduque kommt in den Reiseberichten der Überlebenden nicht vor. Dennoch erzählen
die Menschen auf dieser kleinen, zentral gelegenen Insel ihren Kindern eine
Geschichte über den portugiesischen Eroberer in spanischen
Diensten:

Demnach näherte sich Magellan mit seinen drei verbliebenen
Schiffen (zwei hatte er bereits in Südamerika verloren) auf seinem Weg nach Cebu tatsächlich der Insel Marinduque, die damals noch von
indigenen Völkern bewohnt wurde. Ein eingeborener Medizinmann beobachtete diese
Schiffe und fürchtete, dass die fremden Männer seinem Volk grossen Schaden zufügen könnten.
Daher fiel er auf die Knie, betete zu seinen wilden Göttern und forderte sie auf, die Schiffe von
seiner Insel fern zu halten. Tatsächlich – so heisst es – erhöhrten die wilden
Götter sein Flehen und verwandelten Magellans Schiffe in Stein. Und so liegen
sie heute noch als winzige Eilande vor Marinduque, ohne die Insel je
zu erreichen.

Die drei winzigen Inseln, die Marinduque im Westen
vorgelagert sind, wurden von anderen Spaniern, die rund 50 Jahre später doch noch nach Marinduque kamen, Gaspar,
Melchor und Baltazar genannt, insgesamt werden sie noch heute als Tres Reyes
bezeichnet – mit dem spanischen Begriff für Drei Könige also. Auch die
gegenüberliegende Siedlung auf Marinduque trägt noch ihren
spanischen Namen: Buenavista. Abgesehen von vielen Namen spielt die spanische
Sprache heute auf den Philippinen aber kaum noch eine Rolle. Nach einem Befreiungskrieg gegen die Spanier wurden die Philippinen 1902 eine amerikanische Kolonie, erst 1946 ein eigenständiger Staat.



Magellan, sein Sklave Enrique und der Meuterer

von Inseln und Meer... Posted on 23 Apr, 2016 13:59

Wer war denn nun eigentlich der erste Weltumsegler? Der Name Magellan fällt in diesem Zusammenhang wohl jedem ein. Auch ich habe in der Schule gelernt, dass es Ferdinand Magellan gewesen sei, der als Erster die Welt umsegelt habe. Aber stimmt das? Und wenn ja: Er allein?

Als Magellan mit seiner Flotte in Spanien aufbrach, um die Welt zu umrunden, hatte er einen Sklaven dabei, den er auf einer früheren Reise gekauft hatte. Unstrittig ist, dass
beide, Magellan und Enrique, im Jahr 1521 beim Versuch, im Auftrag des
spanischen Königs die Welt zu umsegeln, die Philippinen erreichten und dort
blieben – Magellan tot, wie Du in der Lapu-Lapu-Geschichte gesehen hast, und Enrique als freier Mann. Denn Magallan hatte verfügt, dass Enrique im Falle seines Todes unverzüglich freizulassen sei.

Da Enrique erstaunlicherweise
die Sprache der Einheimischen verstand und seinem Herren Magellan als Übersetzer
diente, vermuten einige Historiker, dass der Sklave ursprünglich von den Philippinen stammte
und somit nun als erster die Welt umrundet hatte. Beweise für diese Theorie gibt es allerdings nicht, und Magellan selbst hatte
immer behauptet, dass der Sklave aus der malayischen Stadt Malakka stamme. In diesem Fall würden Enrique einige Seemeilen zur Umrundung der Welt
fehlen.

Magellan selbst, vermuten allerdings ebenfalls einige Historiker, habe
bereits im Jahr 1511 an einer portugisischen Expedition teilgenommen, die eben
von Malakka aus die Inseln der Banda-Gruppe erreichte. Diese winzigen Eilande
liegen östlich der heutigen Philippinen – und so wäre nun doch Magellan wieder der Erste,
der die Welt einmal komplett umrundet hätte. Allerdings: ob Magellan tatsächlich
Teilnehmer an der Banda-Expediton war ist keineswegs sicher. Falls nicht würden
auch ihm letztlich einige Seemeilen zur Umrundung der Erde
fehlen. Denn dann wäre – wie auch bei Enrique – Malakka der bis dahin östlichste Punkt, den Magellan erreicht hätte.

Streng genommen steht ohnehin keinem von beiden der Ruhm zu,
als erster nach einer Weltumsegelung direkt zu ihrem Ausgangshafen zurückgekehrt
zu sein. Das schafften nur achtzehn Seeleute aus Magellans Expedition – sie
erreichten mit dem letzten verbliebenen Schiff, der “Victoria”, nach fast drei
Jahren den spanischen Hafen von Sanlúcar de Barrameda, in dem ihre Reise
begonnen hatte. Das zweite Schiff, das die Philippinen noch verlassen hatte, wurde später von den Portugiesen gekapert und kam nie nach Spanien zurück. Sind also der Kapitän der “Victoria” und seine 17 Begleiter, deren Namen niemand
kennt, die ersten Weltumsegler?

Der
spanische Baske Juan Sebastián de Elcano hatte die Expedition als Steuermann auf
der “Concepción” begonnen. In Südamerika hatte er sich an einer Meuterei gegen
Magellan beteiligt, war von diesem jedoch vor der Exekution begnadigt worden.
Nach Magellans gewaltsamen Tod vor der philippinischen Insel Mactan wurde er von der Mannschaft der “Victoria” zu deren Kapitän gewählt und übernahm das Kommando über die Expedition. Nach der Heimkehr der “Victoria”
wurde Juan Sebastián de Elcano von Kaiser Karl V. gebührend empfangen: er wurde
in den Ritterstand erhoben und bekam außerdem ein Wappen verliehen, das unter
anderem die Weltkugel mit der lateinischen Inschrift “Primus circum dedisti me”
(Als erster hast du mich umfahren) enthält.

Die Reise der “Victoria” um die Welt hatte übrigens zwei Jahre, elf Monate und zwei Wochen gedauert, Magellans Expedition war mit 237 Männern gestartet, von denen 18 zurückkehrten.

Heute kennt man Magellan, Kolumbus natürlich, sogar Americo Vespucci, nach dem Amerika benannt wurde, und vielleicht auch noch James Cook. Aber wer kennt schon Juan Sebastián de Elcano? Du kennst ihn jetzt.



Magellan und der wilde Häuptling Lapu-Lapu

von Inseln und Meer... Posted on 18 Apr, 2016 19:07

Magellan hatte wie Du schon aus der Geschichte mit der Königin von Cebu und dem hölzernen Jesuskind weisst, in der Zeit
vom 16. März bis 14. April 1521 mühelos die zwei kleinen Inseln Homonhon und
Limasawa sowie die grosse Insel Cebu für Spanien in Besitz
genommen. Auf Cebu hatte er den König Radscha Humabon, und dessen
junge Frau Ming-Ming getauft und ihr die Holzfigur geschenkt, die noch heute auf den Philippinen verehrt wird. Doch es gab einen, dem dies überhaupt nicht gefiel: Ming-Mings Onkel Lapu-Lapu. Er beherrschte Cebus kleine Nachbarinsel Mactan und hatte nicht die Absicht, sich den
fremden Weißen freiwillig zu beugen.

Magellans Schiffe ankerten
geschützt in einer schmalen Meeresstraße, von der aus beide Inseln – das große Cebu
und das kleinere Mactan –
mühelos zu erreichen waren. (Heute verbinden zwei Brücken die beiden Inseln.)
Nachdem er Cebu kampflos eingenommen
hatte, wollte Magellan nun auch das in Sichtweite liegende Mactan unter die
spanische Krone bringen und zum Christentum führen. Da Lapu-Lapu sich nicht wie Humabon überreden und auch
nicht wie Ming-Ming von einer hölzernen Puppe beeindrucken ließ, beschloss
Magellan einen militärischen Angriff.

Durchaus möglich, dass Magellan, dessen Männer mit Feuerwaffen ausgerüstet und durch Rüstungen geschützt waren, die nahezu nackten Eingeborenen, die in Hütten aus Holz und Gras lebten,
unterschätzt und mit einem leichten Sieg
gerechnet hatte. Doch es kam anders.

Magellans Männer wurden von den
Kämpfern Lapu-Lapus, die sich mit Pfeil und Bogen und Lanzen gegen die
Feuerwaffen der Spanier stellten, noch am Ufer zurückgeschlagen. Forscher vermuten, dass sie neben ihren Waffen auch
eine asiatische Kampkunst beherrschten, die heute
unter der Bezeichnung “Eskrima” bekannt ist. Mehrere spanische Angreifer kamen
ums Leben. Magellan selbst, so berichtete sein Chronist Pigafetta, habe als
einer der Letzten, noch im Wasser stehend, versucht, den Rückzug seiner Leute zu
decken. Ein vergifteter Pfeil habe den Oberschenkel des Portugiesen getroffen,
anschließend sei er von zwei Lanzenstößen niedergestreckt worden. So endete Magellans geplante Weltumsegelung an einem philippinischen Strand.

Häuptling
Lapu-Lapu gilt heute als Nationalheld der Philippinen und wird als erster
Freiheitskämpfer verehrt, mitunter sogar als Begründer der Nation bezeichnet.
Vergessen wird von den heute grösstenteils katholischen Philippinern dabei allerdings oft, dass er sich nicht nur der Eroberung durch
Spanien, sondern insbesondere auch der Christianisierung seiner Insel
widersetzte.

Und Ferdinand Magellan? Auch er wird auf den Philippinen heute als Volksheld verehrt – eben weil er das Christentum auf die Inseln brachte.

Humabon, der Radscha von Cebu, entsagte nach Magellans
Tod dem Christentum und griff die verbliebenen Spanier an. 35 weitere Seeleute
kamen ums Leben. Mit nur noch zwei Schiffen – das dritte
versenkten die überlebenden Spanier selbst, weil sie nicht mehr genügend Leute waren, um es zu segeln – flüchtete
die Flotte in Richtung Westen. Nur einmal noch, auf Palawan, betraten sie eine
heute zu den Philippinen gehörende Insel.

Nur ein Schiff aus Magellans Flotte sollte es schliesslich schaffen, in seinen spanischen Heimathafen zurückzukehren, Doch das ist schon wieder die nächste Geschichte.



Magellan, die Königin von Cebu und eine Puppe aus Holz

von Inseln und Meer... Posted on 15 Apr, 2016 11:59

Vielleicht hast Du den Namen Ferdinand Magellan schon mal gehört. Oder, wie er auf portugiesisch heisst – denn Magellan war Portugiese – Fernão de Magalhães. Er versuchte im Auftrag des spanischen Königs Karl V. mit seinen Segelschiffen die Welt zu umsegeln und entdeckte dabei die Philippinen.

Es war im Jahre 1521, als Ferdinand Magellan auf die Inseln traf, die heute
Philippinen heißen – benannt übrigens nach dem damaligen spanischen Prinzen und Thronfolger Philipp II, der damals noch ein Kind war. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Magellan von den fünf Schiffen, mit
denen er gestartet war, bereits zwei verloren – eines war in Südamerika
gestrandet, das andere nach einer Meuterei nach Spanien umgekehrt.

Am
16. März 1521 erreichte Magellans Flotte die kleine Insel Homonhon, erstmals
betraten Europäer eine philippinische Insel. Sie wurden freundlich aufgenommen,
zumal ein Sklave Magellans die Sprache der hier lebenden Menschen verstand und
als Dolmetscher fungieren konnte.

Von
Homonhon aus segelte Magellans Flotte weiter nach Limasawa, und von Limasawa aus schliesslich nach Cebu.

Hier gelang es
Magellan mit friedlichen Mitteln, den Herrscher Radscha Humabon und viele seiner
Untertanen zum Christentum zu bekehren. Nach den kleinen Inseln Homonhon und
Limasawa unterwarf sich auch das wesentlich größere Cebu nun kampflos dem König von
Spanien. Dabei spielte Santo Niño, eine aus Holz geschnitzte Puppe, die Jesus als Kind darstellt, eine wichtige Rolle: Radscha Humabons sehr junge Frau
Ming-Ming hatte in Magellans persönlichen Utensilien nämlich die hölzerne Christusfigur
entdeckt und bat den Kapitän darum, sie ihr zu schenken. Am 14. April hielt
Magellan also auf Cebu eine katholische
Messe ab, taufte Ming-Ming auf den Namen Johanna und überreichte der Königin die
Puppe.

Königin Ming-Ming, nun Johanna, bekam also die Puppe
geschenkt, Magellans Flotte zog weiter, Radscha Humabon und Ming-Ming entsagten dem
Christentum und kehrten zu ihren alten Glaubensvorstellungen zurück. Die
Christuspuppe geriet in Vergessenheit…

…bis 44 Jahre später wieder eine
spanisches Flotte die Küste von Cebu erreichte. Miguel López de
Legazpi nahm die Insel erneut – und diesmal mit Gewalt und für fast 250 Jahre – für Spanien in
Besitz. Dabei wurde das Dorf von Radscha Tupas, Neffe und Nachfolger des
inzwischen verstorbenen Radscha Humabon, zerstört. Trotz der dabei auftretenden
Feuersbrunst fand ein Matrose die beinahe unversehrte Holzfigur Magellans. Und
damit war der Mythos um Santo Niño geboren, fortan galt die Figur, die auf
wundersame Weise nicht nur das Feuer, sondern auch 44 Jahre Heidentum
unbeschadet überstanden hatte, als Heiligtum. An der Fundstelle wurde die erste
Kirche auf den Philippinen errichtet und inzwischen zur Basilica del Santo Niño
ausgebaut. 1965 erhielt sie von Papst Paul VI. den Ehrentitel Basilika
minor.

An jedem dritten Sonntag des Jahres wird Santo Niño zu Ehren in Cebu das Sinulog-Festival
gefeiert. Aber nicht nur in Cebu, überall auf den
Philippinen wird Santo Niño verehrt. Es gibt kaum eine Wohnung ohne einen
eigenen Altar, und kaum einen Altar ohne eine Figur des Heiligen Kindes.

Königin Ming-Ming übrigens war eine Nichte des Häuptlings Lapu-Lapu, der die benachbarte Insel Mactan beherrschte – doch das ist eine andere Geschichte, die ich später erzählen werde.



Wie die Insel Marinduque zu ihrem Namen kam

von Inseln und Meer... Posted on 09 Apr, 2016 13:13

Wir verlassen jetzt mal Rügen und begeben uns auf die Philippinen. Für Menschen, die Inseln und Meer lieben, ein ganz besonderes Land, denn die Philippinen bestehen aus gleich 7.107 Inseln. Stell Dir mal die armen Kinder vor, die in der Schule die Namen aller Inseln lernen müssen…

Von der philippinischen Insel Marinduque kommt auch eine Liebesgeschichte, allerdings ohne Happy End. Einst, lange noch bevor Magellan die Insel entdeckte und die Spanier sie eroberten, so erzählt man sich, lebten hier zwei große Clans aus Jägern, Sammlern und Fischern. Und – wie könnte es anders sein – waren die beiden Clans und besonders ihre Häuptlinge verfeindet, denn jeder hatte Angst, dass der andere Clan mehr Fische fing, mehr Bananen oder Kokosnüsse sammelte oder mehr wilde Tiere jagte als der eigene. Oder sogar mehr Kinder bekam und somit stärker, grösser und mächtiger wurde als der eigene.

Nun hatte der Häuptling des einen Clans eine Tochter mit dem Namen Marinja, der des anderen einen Sohn mit dem Namen Garduque. Und natürlich kam es, wie es kommen musste: Die beiden verliebten sich ineinander. Den Häuptlingen gefiel das überhaupt nicht, und sie stellten ihre Kinder zur Rede und verlangten, dass sie sich nicht mehr sehen durften.

Aber Liebe kann man nicht so einfach verbieten, und so trafen sich Marinja und Garduque weiter heimlich im Wad, am Strand oder in einer der versteckten Höhlen auf der Insel. Doch sie wurden von eifrigen Jägern beobachtet und an ihre Väter verraten.

Marinjas Vater war so wütend, dass er das Mädchen fesseln und auf ein Boot bringen ließ. Er wollte Marinja auf eine andere Insel bringen, um sie dort mit einem anderen Mann zu verheiraten.

Als Garduque das bemerkte sprang er ins Meer und schwamm dem Boot hinterher. Doch er konnte es nicht erreichen, die Ruderer waren zu schnell. Marinja sah, wie der Abstand immer größer wurde, und als Garduques Kräfte schließlich schwanden gelang es ihr, sich loszureissen und ebenfalls ins Wasser zu springen. Gemeinsm ertranken die Verlebten im Meer.

Da wurden die Menschen auf der Insel sehr traurig, begruben den Streit zwischen den Clans und nannten ihre Insel zur Erinnerung an die große Liebe der beiden ungehorsamen Häuptlingskinder fortan Marinduque – eine ewige Verbindung der Namen Marinja und Garduque.

Du kannst, wenn Du Lust hast, die Insel auf der Landkarte suchen. Dann wirst Du sehen, dass sie – mit etwas Fantasie – sogar die Form eines Herzens hat.



Warum die Stunde 61 Minuten hat

von Inseln und Meer... Posted on 06 Apr, 2016 12:30

Eine Stunde hat 60 Minuten. Normalerweise. So hast sicher auch Du das gelernt. In Bergen auf Rügen aber ist das anders. Die Uhr an der Nordseite des Turmes der Marienkirche zeigt 61 Minuten an. Warum?

Im Herbst des Jahres 1983 fegte ein Sturm über die Insel. Dabei wurde die Uhr des Marienkirchturmes von Bergen beschädigt – eine mächtige Windböe riss das Ziffernblatt teilweise aus seiner Verankerung. Es musste ein neues angefertigt werden. Die beiden damit beauftragten Handwerker vertaten sich allerdings beim Anlegen der Markierungen – erst als sie alle 60 neuen Minutenpunkte in die Bohrlöcher eingesetzt hatten, bemerkten sie, dass noch ein Loch frei war. Weil es nun zu teuer gewesen wäre. noch einmal ein neues Ziffernblatt herzustellen, beschlossen sie nach Rücksprache mit dem Bürgermeister, auch den einundsechzigsten Minutenpunkt anzubringen und dieses wohl einmalige Ziffernblatt so am Turm zu montieren. Kaum jemand bemerkte den Fehler.

So einfach ist die Erklärung also. Oder steckt doch noch eine andere Geschichte dahinter? Hatte ihnen etwa, ohne das sie es bemerkt hatten, der Teufel die Hand geführt?

Im Jahr 1982, also ein Jahr vor dem grossen Sturm, lebte ein Junge namens Martin in Bergen. Und er verliebte sich in Marie, das Nachbarmädchen. Doch wie das schon einst bei Romeo und Julia war vertrugen sich die Eltern der beiden nicht, verboten ihnen ihre Liebe und drohten sogar damit, sie fortan an unterschiedliche Schulen weit entfernt auf dem Festland zu schicken. So konnten sich Martin und Marie nur noch heimlich treffen, worüber sie sehr verzweifelt waren.

Eines Tages trat ein seltsamer Mann an Martin heran und versprach, ihm helfen zu können. Jeder Stunde des Tages könne er eine Minute hinzufügen, behauptete er. Eine Minute, von der niemand etwas wisse – ausser Martin und Marie, die sich in dieser Minute ungestört treffen, reden, Händchen halten und sogar küssen könnten. Allerdings, so sagte der Mann, ginge das nur ein Jahr lang. Und danach müsse Martin ihm seine Seele überlassen. Da erst fiel Martin auf, dass der Mann hinkte, und dass er nach Rauch und Schwefel stank. Weil er aber ohne Marie nicht leben wollte stimmte Martin dem Handel zu. Und so geschah es: Nach jeder Stunde konnten Marie und Martin für eine Minute ungestört beieinander sein. Ein ganzes wunderschönes Jahr lang.

In einer stürmischen Herbstnacht des Jahres 1983 war das Jahr dann zu Ende, und der seltsame Mann kam wieder, um vereinbarungsgemäss Martins Seele zu holen. Doch diesmal war es Marie, die ihm einen Handel vorschlug. Er müsse eine Aufgabe lösen – wenn er dies könne dürfe er neben Martins Seele auch ihre mitnehmen. Könne er es nicht müsse er Martins Seele zurückgeben.

Nun gut, der Mann stimmte zu. Was wird ein verliebtes Mädchen schon für eine Aufgabe stellen, dachte er, dies wäre wohl eine leicht gewonnene zweite Seele für ihn.

“Gib uns den gestrigen Tag zurück, und zwar so, dass er nie aufhört.” verlangte Marie. Der Teufel überlegte lange. Natürlich könnte er die Zeit zurückdrehen, doch dann wäre das Jahr noch nicht vorbei, nach dem ihm Martins Seele zustand. Und natürlich könnte er auch die Zeit anhalten, doch dann würde das Jahr nie zu Ende gehen. Als der Teufel also schliesslich begriff, dass er gegen ein verliebtes Mädchen verloren hatte, raste er vor Wut den Kirchturm hinauf, wo er die Uhr packte und aus der Mauer riss. Dann löste er sich in einer gelben Rauchwolke auf und wurde vom Sturm verweht…

Später, als die Männer das neue Ziffernblatt angebracht hatten, waren darauf plötzlich für alle sichtbar 61 Minuten zu sehen. Und Marie und Martin mussten sich nicht mehr heimlich treffen, sie hatten erkannt, dass ihre Liebe stark genug war, um jedes Hindernis zu überwinden.

Ob diese Geschichte wohl so stimmt? Wenn Du nach Bergen kommst sieh Dir die Uhr an und zähle die Minuten. Vielleicht weisst Du es dann.



Fürst Jaromar II.

von Inseln und Meer... Posted on 02 Apr, 2016 14:35

Wenn Fürst Jaromar I. Fürst Jaromar I, war, wirst Du vielleicht fragen, gab es denn dann auch einen Fürst Jaromar II.? Ja, den gab es tatsächlich. Er war der Enkel von Jaromar I. und regierte Rügen – allerdings nur elf Jahre lang, von 1249 bis 1260. Dann wurde er von einer unbekannten Frau auf der dänischen Insel Seeland mit einem Dolch erstochen. Wer die Frau war und warum sie dies tat wurde nie herausgefunden. Vermutet wird lediglich, dass sie Rache nahm, denn Jaromar II. hatte in den Jahren zuvor dänische Städte und Inseln überfallen, geplündert und niedergebrannt – unter anderen auch die aufstrebende Stadt Kopenhagen. Seine Truppen sollen dabei selbst für mittelalterliche Verhältnisse äußerst brutal und rücksichtslos vorgegangen sein.

Was war passiert? Als Vasall der dänischen Krone war Jaromar II. doch eigentlich den Dänen verpflichtet? Richtig. Doch in Dänemark hatten sich inzwischen der König und die Bischöfe gegeneinander gestellt und bekämpften sich gegenseitig mit eigenen Truppen. Jaromar II., mittlerweile ein geradezu fanatischer Christ, stellte sich auf die Seite der Bischöfe – vielleicht auch in der Hoffnung, die Lehensherrschaft zu Dänemark so überwinden und doch noch König von Rügen werden zu können. Nach den Verwüstungen Kopenhagens und der dänischen Inseln Bornholm, Lolland und Moen starb er in Seeland schließlich selbst einen gewaltsamen Tod.

Was blieb von ihm? Zum einen die Stadt Damgarten – heute Teil von Ribnitz-Damgarten, die er als Bastion gegen Mecklenburg gründete. Damgarten hat übrigens nichts mit Damen oder Gärten zu tun, es ist abgeleitet von den slawischen Worten “Dam” für Eiche und “Gora” für Berg, bedeutet also Eichenberg.

Zum anderen der Name der Halbinsel Mönchgut (slawisch Reddevitz) auf Rügen, auf der heute das RexRugia StrandResort steht. Denn diese Halbinsel schenkte er im Jahr 1252 dem Kloster Eldena, das sein Großvater Jaromar I. in der Nähe von Greifswald gegründet hatte. Im hölzernen Tor zum Mönchgut, das die Hauptstraße in Baabe überspannt, ist neben einer Bäuerin, einem Fischer und einem Mönch auch ein Fürst mit Schwert zu sehen, bei dem es sich um Jaromar II. handeln soll.

Übrigens: Einen Fürst Jaromar III. gab es nicht mehr.



Fürst Jaromar I.

von Inseln und Meer... Posted on 31 Mar, 2016 15:12

Rügen ist offenbar so schön, dass es jeder haben wollte: Schweden und Dänen, Russen, Sachsen, pommersche und mecklenburgische Herzöge führten Kriege um die Insel, die strategisch wichtig war, um Einfluss und Macht im Ostseeraum auszubauen.

Im Jahre 1168 war es dem dänischen König Waldemar I. gemeinsam mit seinen pommerschen Verbündeten gelungen, die seit rund 500 Jahren auf der Insel herrschenden Ranen zu unterwerfen. Er zwang sie, die Bilder ihrer alten, heidnischen Götter zu zerstören und sich zum Christentum zu bekennen. Zudem waren sie gezwungen, die weiteren Kriegszüge der Dänen zu unterstützen. Die Ranenfürsten Tetzlaw und Jaromar, zwei Brüder, die ihre letzte Burg in der Nähe der heutigen Ortschaft Garz kampflos übergaben und die Lehensherrschaft der Dänen anerkannten, durften im Gegenzug ihre eingeschränkte Herrschaft über Rügen behalten. Was übrigens dazu führte, dass sich die nun leer ausgegangenen pommerschen Herzöge gegen die Dänen wandten – und von deren neuen Verbündeten Tetzlaw und Jaromar geschlagen wurden, die zusätzlich zu Rügen nun sogar über Ländereien auf dem Festland verfügten.

Nachdem sich Tetzlaws Spur im Jahre 1170 verliert – möglicherweise starb er an einer Krankheit, seinen Tod in einer Schlacht hätten historische Quellen vermutlich vermerkt – war Jaromar nun der einzige Fürst auf Rügen – aber eben nicht König, sondern als Vasall der dänischen Krone verpflichtet. Seinen Machtanspruch rechtfertigte er, der zum Christentum übergetreten war, mit dem “Gottesgnadentum”, das besagt, dass jeder Herrscher von Gott selbst (von Gottes Gnaden) eingesetzt wurde. Wer sich ihm entgegenstelle stelle sich auch gegen Gott und werde dafür nicht nur im Diesseits, sondern auch im Jenseits zur Verantwortung gezogen. Die ewige Hölle als Konsequenz für Widerstand – im frühen Mittelalter ein schier unschlagbares Argument, das Jaromars Macht als Fürst unantastbar machte.

Folgerichtig liess Jaromar die ersten christlichen Kirchen und Klöster auf Rügen errichten. Eher ungewollt leitete er damit den Untergang der Ranen ein, denn die damit einziehenden Mönche begannen, das Land zu erschliessen, die Wälder zu roden und Bauern – vor allem aus deutschsprachigen Gebieten wie dem heutigen Niedersachsen, Westfalen und der Altmark (jetzt Teil von Sachsen-Anhalt) anzusiedeln. Diese Gebiete gehörten zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Das war zwar kein einheitlicher Staat, es bestand aus vielen kleinen Königreichen und Fürstentümern, war aber schon seit rund 400 Jahren christianisiert. Schon bald stellten diese deutschen, christlichen Siedler den grösseren und vor allem auch kulturell bestimmenden Bevölkerungsteil. Die slawischen Ranen verschwanden nach und nach und wurden – auch durch Verheiratungen – schliesslich von den neuen Bewohnern assimiliert. Ihre Kultur, ihre Sprache, ihr heidnischer Glaube und ihre Bräuche verschwanden innerhalb weniger Genertionen. Lediglich ein paar Reste zerfallener Burgmauern und der Name Jaromars, der für die Christianisierung Rügens steht, blieben.

Die erste Backsteinkirche, die Marienkirche in Bergen, wurde 1193 geweiht. Jaromar hatte sie eigentlich als Pfalzkirche geplant, um seinen Herrschaftsanspruch als König von Rügen zu untermauern, musste sie aber auf Geheiss seiner dänischen Lehensherren dem gleichzeitig entstandenen benachbarten Kloster überlassen, von dem aus Nonnen für die Verbreitung des neuen Glaubens sorgten.

Solltest Du nach Bergen kommen – das ist ja vom RexRugia StrandResort auch nicht so weit weg – kannst Du Dir die Marienkirche heute noch ansehen. Sie ist das älteste Bauwerk der Insel. Auch wenn sie schon mehrfach umgebaut wurde, sind Teile der Mauern noch auf Jaromars Zeit zurückzuführen. Ihre Uhr auf der Nordseite des Turmes dürfte wohl die einzige sein, die 61 Minuten anzeigt – das ist aber schon wieder eine andere Geschichte.

Wenn nun aber Fürst Jaromar eben nur Fürst und nicht König von Rügen war, wer dann? Vielleicht bist Du ja König oder Königin von Rügen, wenigstens so lange Du im RexRugia StrandResort Urlaub machst. Denn Rex Rugia ist schliesslich nichts anderes als die lateinische Bezeichnung für den König von Rügen.



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