Magellan hatte wie Du schon aus der Geschichte mit der Königin von Cebu und dem hölzernen Jesuskind weisst, in der Zeit
vom 16. März bis 14. April 1521 mühelos die zwei kleinen Inseln Homonhon und
Limasawa sowie die grosse Insel Cebu für Spanien in Besitz
genommen. Auf Cebu hatte er den König Radscha Humabon, und dessen
junge Frau Ming-Ming getauft und ihr die Holzfigur geschenkt, die noch heute auf den Philippinen verehrt wird. Doch es gab einen, dem dies überhaupt nicht gefiel: Ming-Mings Onkel Lapu-Lapu. Er beherrschte Cebus kleine Nachbarinsel Mactan und hatte nicht die Absicht, sich den
fremden Weißen freiwillig zu beugen.

Magellans Schiffe ankerten
geschützt in einer schmalen Meeresstraße, von der aus beide Inseln – das große Cebu
und das kleinere Mactan –
mühelos zu erreichen waren. (Heute verbinden zwei Brücken die beiden Inseln.)
Nachdem er Cebu kampflos eingenommen
hatte, wollte Magellan nun auch das in Sichtweite liegende Mactan unter die
spanische Krone bringen und zum Christentum führen. Da Lapu-Lapu sich nicht wie Humabon überreden und auch
nicht wie Ming-Ming von einer hölzernen Puppe beeindrucken ließ, beschloss
Magellan einen militärischen Angriff.

Durchaus möglich, dass Magellan, dessen Männer mit Feuerwaffen ausgerüstet und durch Rüstungen geschützt waren, die nahezu nackten Eingeborenen, die in Hütten aus Holz und Gras lebten,
unterschätzt und mit einem leichten Sieg
gerechnet hatte. Doch es kam anders.

Magellans Männer wurden von den
Kämpfern Lapu-Lapus, die sich mit Pfeil und Bogen und Lanzen gegen die
Feuerwaffen der Spanier stellten, noch am Ufer zurückgeschlagen. Forscher vermuten, dass sie neben ihren Waffen auch
eine asiatische Kampkunst beherrschten, die heute
unter der Bezeichnung “Eskrima” bekannt ist. Mehrere spanische Angreifer kamen
ums Leben. Magellan selbst, so berichtete sein Chronist Pigafetta, habe als
einer der Letzten, noch im Wasser stehend, versucht, den Rückzug seiner Leute zu
decken. Ein vergifteter Pfeil habe den Oberschenkel des Portugiesen getroffen,
anschließend sei er von zwei Lanzenstößen niedergestreckt worden. So endete Magellans geplante Weltumsegelung an einem philippinischen Strand.

Häuptling
Lapu-Lapu gilt heute als Nationalheld der Philippinen und wird als erster
Freiheitskämpfer verehrt, mitunter sogar als Begründer der Nation bezeichnet.
Vergessen wird von den heute grösstenteils katholischen Philippinern dabei allerdings oft, dass er sich nicht nur der Eroberung durch
Spanien, sondern insbesondere auch der Christianisierung seiner Insel
widersetzte.

Und Ferdinand Magellan? Auch er wird auf den Philippinen heute als Volksheld verehrt – eben weil er das Christentum auf die Inseln brachte.

Humabon, der Radscha von Cebu, entsagte nach Magellans
Tod dem Christentum und griff die verbliebenen Spanier an. 35 weitere Seeleute
kamen ums Leben. Mit nur noch zwei Schiffen – das dritte
versenkten die überlebenden Spanier selbst, weil sie nicht mehr genügend Leute waren, um es zu segeln – flüchtete
die Flotte in Richtung Westen. Nur einmal noch, auf Palawan, betraten sie eine
heute zu den Philippinen gehörende Insel.

Nur ein Schiff aus Magellans Flotte sollte es schliesslich schaffen, in seinen spanischen Heimathafen zurückzukehren, Doch das ist schon wieder die nächste Geschichte.