Vielleicht hast Du den Namen Ferdinand Magellan schon mal gehört. Oder, wie er auf portugiesisch heisst – denn Magellan war Portugiese – Fernão de Magalhães. Er versuchte im Auftrag des spanischen Königs Karl V. mit seinen Segelschiffen die Welt zu umsegeln und entdeckte dabei die Philippinen.

Es war im Jahre 1521, als Ferdinand Magellan auf die Inseln traf, die heute
Philippinen heißen – benannt übrigens nach dem damaligen spanischen Prinzen und Thronfolger Philipp II, der damals noch ein Kind war. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Magellan von den fünf Schiffen, mit
denen er gestartet war, bereits zwei verloren – eines war in Südamerika
gestrandet, das andere nach einer Meuterei nach Spanien umgekehrt.

Am
16. März 1521 erreichte Magellans Flotte die kleine Insel Homonhon, erstmals
betraten Europäer eine philippinische Insel. Sie wurden freundlich aufgenommen,
zumal ein Sklave Magellans die Sprache der hier lebenden Menschen verstand und
als Dolmetscher fungieren konnte.

Von
Homonhon aus segelte Magellans Flotte weiter nach Limasawa, und von Limasawa aus schliesslich nach Cebu.

Hier gelang es
Magellan mit friedlichen Mitteln, den Herrscher Radscha Humabon und viele seiner
Untertanen zum Christentum zu bekehren. Nach den kleinen Inseln Homonhon und
Limasawa unterwarf sich auch das wesentlich größere Cebu nun kampflos dem König von
Spanien. Dabei spielte Santo Niño, eine aus Holz geschnitzte Puppe, die Jesus als Kind darstellt, eine wichtige Rolle: Radscha Humabons sehr junge Frau
Ming-Ming hatte in Magellans persönlichen Utensilien nämlich die hölzerne Christusfigur
entdeckt und bat den Kapitän darum, sie ihr zu schenken. Am 14. April hielt
Magellan also auf Cebu eine katholische
Messe ab, taufte Ming-Ming auf den Namen Johanna und überreichte der Königin die
Puppe.

Königin Ming-Ming, nun Johanna, bekam also die Puppe
geschenkt, Magellans Flotte zog weiter, Radscha Humabon und Ming-Ming entsagten dem
Christentum und kehrten zu ihren alten Glaubensvorstellungen zurück. Die
Christuspuppe geriet in Vergessenheit…

…bis 44 Jahre später wieder eine
spanisches Flotte die Küste von Cebu erreichte. Miguel López de
Legazpi nahm die Insel erneut – und diesmal mit Gewalt und für fast 250 Jahre – für Spanien in
Besitz. Dabei wurde das Dorf von Radscha Tupas, Neffe und Nachfolger des
inzwischen verstorbenen Radscha Humabon, zerstört. Trotz der dabei auftretenden
Feuersbrunst fand ein Matrose die beinahe unversehrte Holzfigur Magellans. Und
damit war der Mythos um Santo Niño geboren, fortan galt die Figur, die auf
wundersame Weise nicht nur das Feuer, sondern auch 44 Jahre Heidentum
unbeschadet überstanden hatte, als Heiligtum. An der Fundstelle wurde die erste
Kirche auf den Philippinen errichtet und inzwischen zur Basilica del Santo Niño
ausgebaut. 1965 erhielt sie von Papst Paul VI. den Ehrentitel Basilika
minor.

An jedem dritten Sonntag des Jahres wird Santo Niño zu Ehren in Cebu das Sinulog-Festival
gefeiert. Aber nicht nur in Cebu, überall auf den
Philippinen wird Santo Niño verehrt. Es gibt kaum eine Wohnung ohne einen
eigenen Altar, und kaum einen Altar ohne eine Figur des Heiligen Kindes.

Königin Ming-Ming übrigens war eine Nichte des Häuptlings Lapu-Lapu, der die benachbarte Insel Mactan beherrschte – doch das ist eine andere Geschichte, die ich später erzählen werde.